DIE GESCHICHTE DER BEIWAGEN 301-336
Vor
dem ersten Weltkrieg befand sich die Schienenfahrzeugindustrie
Nürnbergs in ihrer Blütezeit. Die Fahrzeuge der Maschinenfabrik
Augsburg-Nürnberg (MAN) aus diesen Jahren waren technisch und
gestalterisch richtungsweisend für die folgenden 30 Jahre und
verschafften der MAN internationale Anerkennung.Die ersten Beiwagen der Reihe 301-336 wurden im Jahr 1904 von der MAN Nürnberg an die Nürnberg-Fürther Straßenbahn geliefert. Der Wagenkasten war in Holzbauweise erstellt. Die Plattformen waren verglast und die Einstiege durch Klappgittertüren abgeschlossen. Schiebetüren mit Holzintarsien führten in den Fahrgastraum, der mit zwei Längsbänken aus Eichenholz ausgestattet war. Das Wagendach besaß einen bis zu den Stirnwänden durchgezogenen Lüftungsaufbau, das so genannte Laternendach. Die Beleuchtung der Wagen erfolgte durch kunstvolle Messinglüster.
Die Fahrzeuge fuhren im gesamten Netz der Nürnberg-Fürther Straßenbahn und waren für die Zeit vor dem ersten Weltkrieg richtungsweisend. Im Laufe der Zeit wurden eine einpolige Bremskupplung, die Rutenlichtkupplung sowie eine elektrische Wagenheizung eingebaut. Ab Sommer 1939 kamen die Beiwagen nur noch auf den Hauptverkehrslinien zum Einsatz. Aufgrund des Reichsleistungsgesetzes hatte Nürnberg überzählige Wagen an andere Städte des damaligen Deutschen Reiches beziehungsweise in besetzte Gebiete abzugeben. So wurden 1941 zahlreiche Wagen der Reihe 300 nach Krakau und Kattowitz abgegeben. Nach Ende des zweiten Weltkrieges waren noch zehn Wagen in Nürnberg vorhanden. Diese wurden bis 1958 schrittweise ausgemustert.
Als Salzstreuwagen waren noch bis 1977 drei dieser Beiwagen im Einsatz. Jedoch war aufgrund des aggressiven Salzes deren Zustand so schlecht, dass diese nicht für museale Zwecke bewahrt werden konnten. Die Beiwagen 322, 326 und 336 wurden zu Sandtransportwagen umgebaut, wobei der Wagenkasten hierzu vollständig abgebaut und durch einen Lorenaufbau ersetzt wurde. Der frühere Beiwagen 336 erhielt als Arbeitswagen die neue Nummer A 159 und wurde als letzter Vertreter der Bauart – wenn auch unvollständig – in den Bestand der historischen Straßenbahnwagen Nürnbergs aufgenommen und wartet seitdem auf die Restaurierung.